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Es ist Ihre Pflicht, sich vor der Anschaffung eines Kakadus gründlich zu informieren: Über die Eigenheiten und Besonderheiten der Art, die richtige Unterbringung, Ernährung, klimatische Bedingungen, Verhalten, und, und, und. RKCTSTXT 1. Internet Im Internet existieren viele Seiten und Diskussionsforen, die sich mit dem Thema "Papageien" befassen. Empfehlen möchte ich einen Besuch bei der Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk unter http//www.papageien.org. Nehmen Sie sich die Zeit, sich einmal durch das Diskussionsforum zu wühlen, auch wenn es nicht kakaduspezifisch ist. Die Leute dort sind sehr nett und kompetent, Anfängern wird immer gern geholfen. Das Ganze ist zudem noch kostenlos und völlig unverbindlich, so daß Sie keinerlei Risiko eingehen. Weiterhin empfehle ich das "Online-Lexicon of Parrots" des Arndt-Verlags, erreichbar unter http//www.parrot-lexicon.com Hier finden Sie jede Menge Artenbeschreibungen und Hinweise zu Ernährung, Haltung usw., allerdings in Englisch. 2. Sprechen Sie mit Profis (I) Besuchen Sie nicht einen Zooladen, sondern möglichst viele. Achten Sie auf die Haltungsbedingungen (Käfig sauber, genug Futter/Wasser/Obst?). Wie ist der Zustand der Tiere? Wie sieht es mit der tierärztlichen Kontrolle aus? Können alle Unterlagen beigebracht werden? Wo kommt das Tier her? Ist sein Lebensweg lückenlos dokumentiert? Welchen Eindruck macht das Personal auf Sie - soll nur Umsatz gemacht werden, oder bekommen Sie eine ausführliche, sachkundige Beratung? Werden Sie auch auf die unangenehmen Seiten der Kakadu-Haltung und die aus dem Kauf resultierenden Verpflichtungen wie z.B. die Meldepflicht aufmerksam gemacht? Wenn möglich, nehmen Sie jemanden mit, der sich mit Kakadus auskennt. Leider sind die Verkäuferinnen und Verkäufer oft keine Spezialisten. Ihnen könnte ein todkrankes Tier verkauft werden, daß aber scheinbar im besten Zustand ist, während eine fehlende Zehe schon als fürchterlicher Makel angesehen wird (was es aber nicht ist). 3. Sprechen Sie mit Profis (II) Dasselbe gilt für einen Besuch beim Züchter. Manche Züchter erzählen ihnen das Blaue vom Himmel herunter. Und sie können das oft besser als die Zoohändler, weil sie meistens ziemlich gut spezialisiert sind. Aber seien Sie vorsichtig: Ich kenne Züchter, die können Ihnen eine Kuckucksuhr als norwegischen Jacko verkaufen - und gleich drei Zentner Vogelfutter dazu ... 4. Sprechen Sie mit Amateuren Haben Sie Papageien- oder Kakadu-Halter in ihrem Bekanntenkreis? Sehr gut, nichts wie hin, und mit denen reden, reden, reden. Hier bekommen Sie Hintergrund-Infos, wie die alltägliche Haltung aussieht. Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, sich den Sauhaufen um den Käfig vorzustellen, oder ihn live zu erleben. Wenn Sie das erste Mal durch verschmissene Körner, Obst und Vogelkot gestapft sind, überlegen Sie es sich vielleicht noch mal. Vielleicht haben Sie "vor Ort" sogar die Gelegenheit, sich von einem spielenden Kakadu beißen zu lassen. Im Ernst: dann wissen Sie schon besser, was auf Sie zukommt - und es ist wirklich eins der seltsameren Gefühle, wenn sich so ein 3 bis 10 Zentimeter langes Schnäbelchen liebevoll um Ihren Ringfinger schließt, der Druck am mittleren Gelenk immer stärker wird und Ihnen langsam die Tränen in die Augen treten. Die Beißkraft eines Kakadus kann locker 35 Kilogramm erreichen, und ein Kakaduschnabel ist doch recht scharf ... Denken Sie jetzt auch nochmals an Ihre Kinder, die unbedingt einen Kakadu als Spielzeug haben wollen. "Kakadu" soll übrigens übersetzt so viel wie "Kneifzange" bedeuten; wenn das stimmt, ist der Name tatsächlich Programm. Oder vielleicht setzt er sich sogar auf Ihre Schulter, um schreiend zu bekunden, daß er Sie mag bzw. hier immer noch der Chef ist (das fällt beides oft zusammen). Wenn es Ihnen das Trommelfell des linken Ohres aus dem rechten Ohr herausdrückt, obwohl sich zwischen beiden Ohren noch Materie befindet, ist dies auch ein unvergessliches Gefühl. Das tinitusähnliche Pfeifen im Ohr läßt übrigens meistens nach 5 Minuten wieder nach. Und wenn Sie besonderes Glück haben, macht der Kakadu sein Häufchen auf Ihre Schulter oder Ihren Rücken. Richten Sie sich darauf ein: Wenn Sie ihn zuhause haben, wird das alle 20-40 Minuten passieren. Auf Ihrer Schulter, auf dem schönen Sofa, im Bücherregal: wo er eben gerade ist. Sie werden Vogelkot an Stellen finden, wo er nach den geltenden Gesetzen der Physik überhaupt nicht sein dürfte. 5. Partnerwahl auf Gegenseitigkeit Falls Sie trotzdem dabei sind, sich in einen Kakadu zu verlieben - und nur das darf zählen: Sehen sie dem Kakadu nicht auf das Gefieder, sondern in die Seele. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Die Chemie muß stimmen, der Rest ist völlig egal! Und das ist immer eine Sache auf Gegenseitigkeit: Kommt der Kakadu zu Ihnen, zeigt er Interesse an Ihnen, oder ignoriert er Sie? Falls der Kakadu Sie offenbar nicht mag, lassen Sie es. Wenn Sie Kakadus im allgemeinen und diesen einen ganz besonders lieben, ist in solch einer Situation der Verzicht Ihr größter Liebesbeweis - wenn Sie das nicht fertigbringen, sind Sie nichts weiter als ein schäbiger Egoist. Wenn Sie das aber übers Herz bringen, verdienen Sie höchsten Respekt. Und wenn Ihr zukünftiger Kakadu ein "Fehlertier" oder körperbehindert ist? Achten Sie nicht darauf, wenn die Sympathie gegenseitig ist! Es gibt Kakadus, denen z.B. nach Beißereien ein Bein oder ein Auge fehlt, auch völlig blinde Tiere. Es gibt flugunfähige Kakadus, die sich Flügel gebrochen haben. Oder denen die Flügel absichtlich gebrochen wurden, um sie "pflegeleichter" zu machen. Lassen Sie sich davon nicht abhalten, es hat außer etwas mehr Zeitaufwand und vielleicht etwas mehr Nachdenken bei der Einrichtung der Voliere wirklich nichts zu bedeuten. Ein körperliches Handicap ändert nicht das Allergeringste am Charakter oder der Persönlichkeit! Kaufen Sie NIEMALS einen Kakadu, nur weil er so flauschig oder so süß ist. Das geht so gut wie immer ins Auge! Wenn Sie denn "Ihren" gefunden haben, warten Sie. Überschlafen das ganze und kommen in einigen Tagen noch mal wieder. Besuchen Sie "Ihren" Kakadu. Und nächste Woche noch mal, und die Woche darauf wieder - so oft es eben geht. Sie merken dann schon, ob er was von ihnen wissen will, oder nicht. Dabei kann auch dies passieren: Mit dem Kakadu, der bei Ihrem ersten Besuch sofort am Gitter hing und Sie anschmachtete, können Sie doch nicht so gut. Aber der einbeinige, häßliche, verängstigte ganz hinten in der Ecke fühlt sich immer mehr zu Ihnen hingezogen. Darum kaufen Sie nie einen Kakadu auf den ersten Eindruck, und wenn er nach dem fünften oder zehnten Besuch nichts von Ihnen wissen will: Finger weg, Sie machen den Kakadu und sich selbst unglücklich! Es gibt eigentlich nur einen goldenen Rat: Suchen Sie nicht den Vogel aus, sondern alssen Sie sich von ihm aussuchen. 6. Literatur Lesen Sie, lesen Sie, und lesen Sie nochmals. Literaturtipps finden Sie in fast jedem Internetforum, googeln Sie. Allgemeine Literatur zum Thema "Papageien" finden Sie in jedem besseren Zoo-Fachgeschäft und im Buchhandel. Der Hammer für zwischendurch: Romantik So, Sie haben sich jetzt also informiert, gelesen, und, und, und. Und Sie wollen immer noch Kakadus? Einen kleinen Haken gibt es noch: Sind Sie sich über Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen im klaren? Was erwarten Sie von den Tieren? Wollen Sie "meine" Geschichte hören? Gut: Als meine Frau den ersten Kakadu ins Haus holte, hatte ich die Vorstellung von einem süßen Federgewuschel. Ein Vogel, der vielleicht zwei- oder dreimal am Tag "Röööörp" sagt, aber ansonsten lieb und nett im oder auf dem Käfig sitzt. Daß er spricht, habe ich nicht erwartet, und so richtig als Schmusetier habe ich ihn auch nicht gesehen. Aber meine Vorstellungen sind schon arg romantisch gewesen, wohl eher in Richtung Deko-Kakadu. Nachdem meine Frau schon fast 20 Jahre Erfahrung mit der Haltung von Sittichen gehabt hat, waren wir bezüglich der Haltungsbedingungen eigentlich halbwegs anständig informiert. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Komplexität des Verhaltens und die fordernde Art der Kakadus; sie nehmen erheblich intensiver am Leben ihrer Menschen teil und fordern lauthals die Einbindung in dieses Leben. Ich hatte das "romantische" Bild, daß ein Kakadu mit mir spielt oder schmust, wenn ich es will. Und wenn ich nicht will, sitzt er eben brav auf seinem Käfig und macht weiter keine Mühe. Schlicht und einfach: ich habe MEINE Idealvorstellung, mein romantisches Traumbild gehabt und war mir ziemlich sicher, daß es auch so laufen würde. Pustekuchen, diese romantischen Vorstellungen wurden ganz schnell von der Wirklichkeit eingeholt. Die Tiere verlangen nach Interaktion, wenn sie es wollen - und nehmen dabei keine Rücksicht auf die momentane Stimmung des Menschen. Ich kann einen Kakadu nicht nach Wunsch an- und wieder abschalten. Sie schreien, wenn sie es für richtig halten, sie sind eben nicht lieb und brav und pflegeleicht. Und wenn ich einen Kakadu streicheln will, der das gerade überhaupt nicht mag, macht er mir das schon ziemlich radikal deutlich (schnapp!). Eigentlich ist alles ganz anders, als ich es mir "romantisch" vorgestellt habe. Zwar spannender, interessanter und actionreicher, aber eben nicht so einfach. Von daher heißt "Information" nicht nur, sich über Unterbringung, Ernährung, Verhalten und dergleichen zu informieren, sondern sich über seine eigenen Wünsche, Vorstellungen und "Romantik" klar zu werden. Ich kann es immer nur wiederholen: Wenn Sie sich Kakadus als lustige Schmusetiere vorstellen, liegen Sie völlig falsch. Mit dieser Romantik haben Sie nichts von den Tieren, und die nichts von Ihnen. Wirklich nichts. Informieren Sie sich nicht nur über die Bedürfnisse der Kakadus, sondern vor allem über Ihre eigenen. |